Landesverband Baden-Württemberg

Zur aktuellen Drogenpolitik

Ein Beitrag zur Sicherheit: Geplante und streng kontrollierte Abgabe von Diamorphin an Schwerstabhängige

Diamorphin in Spritze Stuttgart, 01.06. 2010
Die Ökologisch-Demokratische Partei/Familie und Umwelt (ÖDP) begrüßt die geplante streng kontrollierte Heroinabgabe an Schwerstabhängige, wie sie bisher im Rahmen eines bundesweiten Modellprojektes erfolgreich erprobt wurde. Dadurch wird die Beschaffungskriminalität bekämpft und zugleich werden die Schwerstabhängigen gezielt geschützt, bei denen die Therapie mit der Ersatzdroge Methadon nicht anschlägt. „Wenn Schwerstabhängige sich ihren Stoff nicht für viel Geld bei dem Dealer um die Ecke besorgen müssen, sondern ihn unter strenger ärztlicher Aufsicht verabreicht bekommen,“ so der ÖDP-Regionalbeauftragte für Baden-Württemberg, Matthias Dietrich, „müssen sie nicht mehr mit kriminellen Mitteln an das Geld für die Befriedigung ihrer Sucht herankommen. Dem Drogenmarkt wird auf diese Weise die Kundschaft entzogen.“ Den Einwand, dass der Staat selbst zum Drogenanbieter wird und so die Drogensucht noch stützt, lässt Dietrich nicht gelten: „Heroin wird nur denjenigen Schwerstabhängigen verabreicht, bei denen die Methadon-Abgabe nicht zum gewünschten Therapieziel geführt hat. Zudem müssen die Patienten mindestens fünf Jahre Heroin abhängig sein, zwei erfolglose Drogen-Therapien absolviert sowie das 23. Lebensjahr vollendet haben. Im Verlauf der Diamorphin-Behandlung ist eine psycho-soziale therapeutische Begleitung von mindestens sechs Monaten vorgeschrieben.“ Die Kosten, die im Rahmen des Modellprojektes bisher von den betroffenen Kommunen getragen wurden und nun auf die Krankenkassen übergehen, hielten sich in einem akzeptablen Rahmen. Die Kosten für das synthetische Heroin, das Diamorphin genannt wird, sind nämlich gering. Teuer sind jedoch der zusätzliche Behandlungs- und Betreuungsbedarf, das geforderte Sicherheitskonzept in den Arztpraxen wie z. B. ein Tresor und ein einbruchsicherer Raum sowie die Qualifikation der Ärzte. Dagegen sinken die Kosten durch wegfallende Strafverfolgung sowie durch die Eingliederung der Schwerstabhängigen in den Arbeitsmarkt beträchtlich. Diese Eingliederung wird dadurch ermöglicht, dass das Diamorphin im Gegensatz zum Heroin des Dealers nicht verunreinigt ist und die Drogeneinnahme streng kontrolliert wird. So wird das Leben Schwerstabhängiger gerettet und deren Gesundheit verbessert. (Bild: pixelio/J. Goetzke)