Foto: Fischkinderstube Zugwiesen bei Ludwigsburg (Guido Klamt)

Der ökologische Zustand der Flüsse im Land ist deutlich verbesserungswürdig. Viele Gewässer sind insbesondere durch menschliche Eingriffe stark beeinträchtigt. Speziell der Neckar als Bundeswasserstraße ist eher ein stehendes Gewässer als ein Fluss. Aus diesem Grund stellen die ÖDP-Regionalräte Guido Klamt und Mathias Rady in der Regionalversammlung Stuttgart zusammen mit dem Fraktionspartner CDU regelmäßig Anträge, um die Qualität der Flüsse zu verbessern. Ein Antrag zielte auf die Verbesserung der Lebensbedingungen für Wasserbewohner. Auf Initiative der ÖDP wurde der Antrag auf die Einrichtung von Fischkinderstuben gestellt.

Fischkinderstuben sind beispielsweise Seitenarme von Flüssen oder kleine Buchten mit seichtem Wasser. Dort finden Fische ideale Bedingungen zum Laichen vor. Was dann aus dem Antrag wurde, hat selbst die ÖDP-Regionalräte überrascht. Ein externes Büro wurde mit der Suche nach möglichen Standorten für solche Fischkinderstuben beauftragt und hat eine ganze Broschüre mit Vorschlägen erarbeitet. Das Ergebnis ist unter https://www.region-stuttgart.org/fileadmin/Verband_Region_Stuttgart/Landschaftspark/Dokumente/broschuere_fischkinderstuben.pdf einsehbar.

Allein in der Region Stuttgart wurden 25 mögliche Standorte für Fischkinderstuben identifiziert. Nicht immer müssen die Projekte so große sein, wie die vor Jahren eingerichteten Zugwiesen bei Ludwigsburg. Oftmals helfen viele kleine Maßnahmen mehr. Wenn schon in der Region Stuttgart so viele sinnvolle Projekte identifiziert wurden, wie sieht das dann im ganzen Land aus? Hier liegt auch Potential für andere Planungsverbände.

Kontakt: guido.klamt@oedp.de

 
 

Foto: Schmidsjergerhof in Betzweiler-Wälde (Verena Föttinger)

Verena und Ernst Föttinger aus Fluorn-Winzeln (Kreis Rottweil) entdeckten eines Tages in Betzweiler-Wälde, Kreis Freudenstadt, zwei einander benachbarte reizvolle, stattliche Nordschwarzwaldhöfe, die sich in einem maroden Zustand befanden und unter Denkmalschutz stehen. So erwarben sie 2005 zuerst den Schmidsjergerhof aus dem Jahr 1777 und renovierten ihn mit viel Eigeneinsatz der Familienmitglieder einfühlsam und nachhaltig. Dabei arbeiteten sie mit den Denkmalschutzbehörden in Freudenstadt und Karlsruhe zusammen. Als dann 2014 auch der an das Grundstück über eine Obstbaumwiese und einen kleinen Wald angrenzende ehemalige Gerberhof mit historischem Kornspeicher plötzlich verwaist war, wurde er hinzugenommen und wird ebenfalls noch bis heute renoviert.

Es wurden hauptsächlich recycelte Baustoffe wie historische Balken, Bretter, Treppen, Fenster, Türen, Buntsandsteine und Ziegel genutzt. Darüber hinaus wurde auf klima- und ressourcenschonendes Bauen im Bestand geachtet, um den Charakter der Höfe zu erhalten. Dabei wurden auch gelagerte schwere Balken, Bretter und andere Bauteile aus einem von Föttingers schon früher abgetragenen 300 Jahre alten Schulhaus in Fluorn wiederverwendet. Das Schulhaus hatte die Gemeinde leider nicht renovieren und erhalten wollen. Auch geschlagenes Holz aus dem eigenen Wald kam zum Einsatz.

Jeder Hof ist mit je einer mehrere Jahrhunderte alten Linde geschmückt. Die Linden stehen unter Naturschutz und spenden im Sommer herrlichen Schatten. Auch wird bei jedem Hof der Bauerngarten wieder ökologisch gepflegt und genutzt. Hier tummeln sich Schmetterlinge, Frösche, Blindschleichen, Feuersalamander und Vögel.

„Wir haben uns in jeden der so schönen und bedrohten Höfe eingefühlt und versucht, sie organisch weiterzuentwickeln, sodass sie auch heute sinnvoll genutzt werden können", so Verena Föttinger. So dient der erste Hof als Wohnung und einige Nebenräume wurden schon für Konzerte im Heu oder Kunstausstellungen genutzt. Im anderen Hof ist eine kleine Ziegenherde untergebracht, mit der zur Entschleunigung schon Ziegenwanderungen im Schwarzwald angeboten worden sind. Er beherbergt ebenfalls eine Wohnung und bietet außerdem Unterkunftsmöglichkeiten für Gruppen bis zu 20 Personen, die häufig auch für Familienzusammenkünfte mit Kindern, Feiern, Ehemaligentreffen oder Seminare genutzt werden.

Familie Föttinger öffnet regelmäßig ihr Projekt am Tag des Offenen Denkmals für die Öffentlichkeit und kann immer zahlreiche interessierte Gäste begrüßen. Das Hofprojekt firmiert unter dem aus "Kultur" und "Tier" zusammengesetzten Begriff "KULTIERHOF" und umkreist kulturelle Angebote, Biodiversität, Familie und Zusammenhalt: www.kultierhof.de  

Kontakt: e.v.foettinger@oedp.de