Bildung
Werteorientierte Bildung dient dem Einzelnen und der Gesellschaft

Wer die ÖDP wählt, setzt sich für eine am Menschen und an Werten orientierte Bildung und für eine verantwortungsbewusste Forschung ein. Bildung ist die wichtigste Zukunftsinvestition einer Gesellschaft. Dabei geht es um die Entfaltung der Persönlichkeit. Alle Menschen sollen befähigt werden, Herausforderungen im persönlichen wie auch im gesellschaftlichen Bereich – in Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik - zu bewältigen. Und sie sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen.
Frühkindliche Bildung
Kindergärten und Kindertagesstätten sind ein Baustein für die frühkindliche Bildung.
In Deutschland haben Kinder von Vollendung des ersten Lebensjahres an bis zur Einschulung einen Rechtsanspruch auf Betreuung in einem Kindergarten, in einer Kindertagesstätte oder in einer Kindertagespflege. Begründet wird der Rechtsanspruch einerseits mit der Notwendigkeit der frühkindlichen Bildung aufgrund nicht ausreichender Vorbereitung der Kinder bei Schuleintritt. Andererseits wird die fortschreitende Auslagerung der Kinderbetreuung aus der Familie in außerhäusliche Betreuung arbeitsmarktund wirtschaftspolitisch angestrebt. Die echte Entscheidungsfreiheit, die eigenen Kinder in den ersten Lebensjahren selbst betreuen zu können oder sie in eine Krippe oder Kita zu geben, haben viele Eltern leider nicht. Die ÖDP möchte den Eltern diese Wahlmöglichkeit bieten. Deshalb ist sie für die Einführung eines sozialversicherungspflichtigen Erziehungs- und Pflegegehalts, das auch zur Finanzierung einer Fremdbetreuung nach Wahl der Familie verwendet werden kann. Auch die Anerkennung der Familienleistungen im Rentensystem gehört zum Programm der ÖDP. Dies ist eine echte liberale und fortschrittliche Familienpolitik. Für die ÖDP ist eine zuverlässige und feinfühlige Bindung in den ersten Lebensjahren eine Grundvoraussetzung für gute Bildung in Kindergarten und Schule. Dies geschieht am sichersten im Elternhaus oder ergänzend in familienähnlichen Betreuungsumgebungen. Zwar haben Bildungseinrichtungen neben dem Bildungs- auch einen Erziehungsauftrag, dieser darf aber nicht nur ihnen aufgeladen werden. Auch Eltern müssen ihren Beitrag zu den Erziehungsleistungen erbringen.
Die ÖDP setzt sich ein für:
- Gebührenfreie (halbtägliche) Kindergartenpflicht im letzten Jahr vor Schuleintritt, damit ein eventueller Förderbedarf rechtzeitig vor Schuleintritt erkannt werden kann
- Einsatz der Landesregierung für ein Erziehungsgehalt, um Erziehungsleistungen von Eltern zu honorieren und die häusliche Kindererziehung nicht zu benachteiligen
- Verbesserung der Finanzausstattung der Kommunen, um ihren Pflichtaufgaben in der Betreuung nachzukommen
- Weitere Ausdifferenzierung der Ausbildung von Erziehungskräften
- Anpassung der Bezahlung der pädagogischen Fachkräfte an die der Lehrerberufe
Schließlich werden in den Kindergärten wie im Elternhaus die Weichen für die Entwicklung der Kinder gestellt.
Schulische Bildung
An den Schulen in staatlicher und freier Trägerschaft soll der demokratische Umgang miteinander eingeübt und die Bereitschaft zu sozialem, ökologischem und politischem Engagement gefördert werden.
Die ÖDP unterstreicht damit besonders den Bildungsauftrag, die Lebensgrundlagen zu bewahren und neben der Fach-, Sozial-, Methoden- und Medienkompetenz verstärkt das Wissen über ökologische Zusammenhänge zu vermitteln. Die ÖDP unterstützt Eltern in ihren verfassungsmäßigen Rechten und Pflichten, die Erziehung und Bildung ihrer Kinder in der Schule verantwortungsbewusst mitzugestalten. Dazu gehört auch die Wahlfreiheit der Eltern über die Schulform. Deshalb lehnt sie die verpflichtende Ganztagsschule in allen Schularten ab. Für Familien, die diese wünschen oder benötigen, sollen Ganztagsschulplätze zur Verfügung stehen. Beziehungsfähigkeit, also die Fähigkeit, Bindungen zu anderen aufzubauen und zu pflegen, ist eine Voraussetzung guter Bildung. Die altersgemäß gestalteten Beziehungen sollen zur Selbständigkeit und Selbstverantwortung führen. In den weiterführenden Schulen kann die Ganztagsschule für viele Eltern ein gutes und wichtiges Angebot sein, sofern sie die pädagogischen Standards (rhythmisierter Schulalltag, Kooperation mit Vereinen, Verbänden, Musikschulen, Kirchen usw. und Unterrichtsende nach höchstens acht Unterrichtsstunden) erfüllt.
Die ÖDP setzt sich ein für:
- Wohnortnahe Schulversorgung als Vorbereitung auf möglichst viele Abschlüsse Schulstandorte sollen, besonders im ländlichen Raum, in zumutbarer Erreichbarkeit erhalten bleiben. Wenn dies in der bisherigen Form nicht möglich ist, kann eine Schul- und Unterrichtsorganisation im Schulverbund, in der Gemeinschaftsschule oder notfalls in jahrgangsübergreifenden Klassen helfen, den Schulstandort zu erhalten.
- Kostenlose Schülerbeförderung als Ergänzung der Lernmittelfreiheit und kostenlosen Schulbildung • Chancengleichheit und Förderung der individuellen Bildung
- Harmonisierung der bundesweiten Schulsysteme
- Erhalt des mehrgliedrigen Schulsystems und der vielfältigen Schullandschaft • Eine stärkere finanzielle Prioritätensetzung zugunsten der Bildung ohne die einseitige Bevorzugung einzelner Schularten
- Eine stärkere Kooperation von allgemeiner und beruflicher Bildung Die ÖDP hält eine stärkere Kooperation zwischen beruflichem und allgemeinbildendem Schulwesen für notwendig. So lässt sich der Bildungsbedarf einfacher erkennen, welcher der Infrastruktur einer Region entspricht und diese weiterbringt.
- Eine noch stärkere Durchlässigkeit zwischen den Schularten zur Ermöglichung eines begabungsgerechten Bildungsweges
- G9 als Standardform des Gymnasiums mit Berücksichtigung von G8 als zusätzlicher Wunschform
- Einen Klassenteiler von maximal 25 Schülern, unter schwierigen Bedingungen auch weniger
- Stärkere Förderung der Schüler durch handwerkliche, künstlerische und musische Fächer sowie Sport, was nicht zu Lasten der Kernkompetenzfächer wie Mathematik und Deutsch geschehen darf
- Mehr fächerübergreifender Unterricht Das Lernen auf diese Art und Weise ermöglicht ein ganz neues Lernen in Zusammenhängen und nicht in klar voneinander abgegrenzten Bereichen wie die Schulfächer. Beispielsweise greifen Naturwissenschaften sehr stark ineinander. Die Welt ist sehr komplex und facettenreich und kann nicht immer in voneinander abgegrenzten Schulfächern verstanden werden.
- „Digital bei Bedarf“ anstelle von „digital only“ als Maxime der Bildungseinrichtungen und der Pädagogik „Digital only“ ist die Maxime der Digitalwirtschaft und Datenökonomie. Für Schulen stehen der sich entwickelnde und lernende Mensch und das reale (Er)Leben im Mittelpunkt, nicht die Technik. Die Gesellschaft braucht eine Rückbesinnung auf die Bedeutung der Allgemeinbildung statt Verkürzung auf MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Dazu gehören auch die ästhetische Bildung (Kunst, Musik, Literatur), Schulgärten, Schulorchester, Klassenfahrten, Bewegungs- und Sportprojekte und andere Formen des Erlebens von Gemeinschaft.
- Keine vollständige Digitalisierung des Unterrichts Bücher müssen weiterhin das Hauptlernmedium sein. Digitale Geräte als Hilfsmittel können altersgerecht und selbstbestimmt von den Lehrenden eingesetzt werden. Sie müssen ergonomischen Standards entsprechen, dürfen also die Gesundheit nicht schädigen. Speziell der Einsatz von Tablets und Smartphones muss auf den nötigen Umfang beschränkt werden, da die Nutzung gegen ergonomische Vorgaben verstößt. Die Folgen können Haltungsschäden und Augenerkrankungen sein. In Betrieben würde die dauerhafte Nutzung von Tablets gegen arbeitsergonomische Vorgaben verstoßen, da eine solche Nutzung zu Gesundheitsschäden führen kann.
- Medienerziehung mit dem Ziel der Medienmündigkeit als Bestandteil des Unterrichts
- Handyverbot an Grundschulen und Nutzungsverbot von privaten Endgeräten an weiterführenden Schulen während der Unterrichtszeiten
- Unterrichtseinheiten über Alternativen zum neoliberalen Wirtschaftsmodell, zum Beispiel über die ökologisch-soziale Marktwirtschaft, Gemeinwohlökonomie-Konzepte usw.
- Unabhängigkeit des Bildungssystems und -inhalts von Forderungen der Wirtschaft 6 7 Wirtschaftsunternehmen, Stiftungen und andere Organisationen, Gruppen oder Einzelpersonen sollen in die schulische Arbeit eingebunden werden. Dabei muss sichergestellt sein, dass keine einseitige Vereinnahmung der Lernenden erfolgt und eine kritische Auseinandersetzung möglich ist.
- Erweiterte Vermittlung von gesellschaftlichen Alltagskompetenzen, beispielsweise Grundwissen in Recht, Finanzen, Versicherungen und Steuern in den weiterführenden Schulen
- Einsatz von Berufsberatern an den Schulen
- Sensibilisierung der Lehrkräfte bei kleinsten Anzeichen von Übergriffigkeit gegenüber Kindern
- Aufnahme von Selbstverteidigungskursen in den Sportunterricht Sichere Fuß- und Radwege zur Schule
Lehrkräfte und Schulausstattung
Das Bildungssystem steht kurz vor dem Zusammenbruch.
Der Lehrermangel hat sich zu einer Dauerkrise mit dramatischen Auswirkungen entwickelt. Unterrichtsausfälle, überlastete Kollegien und sinkende Bildungsqualität sind nicht länger Warnzeichen, sondern Symptome eines Systems am Rand seiner Belastungsgrenze. Was die Gesellschaft braucht, ist ein struktureller Neustart – insbesondere in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte. Nicht weniger problematisch ist die Ausstattung der Schulen – mit Lehrkräften, aber auch im materiellen Sinne. So fehlt es vielerorts an der technischen Ausrüstung der Schulen. Außerdem sind die Kollegien vielfach mit hohen bürokratischen Anforderungen konfrontiert. Die
ÖDP setzt sich ein für:
- Wertschätzung der Bildungsarbeit durch eine angemessene Bezahlung aller an der Bildung Beteiligten
- Wegfall kurzzeitiger Entlassungen zum Beispiel während der Sommerferien, insbesondere der sich im Referendariat befindlichen Lehrkräfte Eine vorausschauende Lehrkraft- und Klassenplanung für Schulen ist mittels vorhandener statistischer Daten möglich und dringend notwendig.
- Deutliche Erhöhung der Studienplätze an pädagogischen Hochschulen für das Lehramt, vor allem für Grundschullehrkräfte und die Sonderpädagogik
- Verbindliche Teilnahme an einem frühzeitigen mindestens vierwöchigen Schulpraktikum seitens aller Lehramtsstudierenden
- Attraktives, zweijähriges Aufbaustudium zur Sonderpädagogik
- Höhere Besoldung für Grundschullehrkräfte
- Stärkere Zusammenarbeit von Lehrkräften, Erziehenden sowie sozialpädagogischen und therapeutischen Fachkräften in den Schulen
- Entlastung der Lehrkräfte und Schulleitungen von IT- und Verwaltungsarbeiten
- Konsequente Ausstattung der Schulen für Inklusions- und Integrationsleistungen, wo dies zielführend ist, unter Beibehaltung sowie Förderung von Sonder- und Förderschulen
- Eine bessere personelle Ausstattung der Schulen mit Lehrkräften Jede Schule muss ausreichend mit Personal besetzt sein, um kurzfristige Ausfälle auffangen zu können.
- Eine landeseinheitliche bedarfsorientierte Ausstattung aller Schulen, auch der beruflichen, mit sozialpädagogischem Personal und technischer Ausrüstung einschließlich deren dauerhaften Unterhaltung
- Ausbau der Digitalisierung in Schulen durch die Nutzung kabelgebundener Infrastruktur Die kabellose Übertragung durch Nutzung der Lichtübertragung (Li-Fi), um Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Strahlung zu minimieren, soll durch Landeszuschüsse zur Umrüstung der Schulen gefördert werden. Bereits 2015 wurde die Entwicklung von Li-Fi durch Landeszuschüsse gefördert und inzwischen ist diese Technik serienreif und im Einsatz.
- Eine von großen außereuropäischen Firmen unabhängige Softwareausstattung in den Schulen
- Bildschirmfreie Kindergärten und Grundschulen, die sich an der „Leitlinie zur Prävention dysregulierten („unzureichend regulierten“) Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend“ orientieren, einer gemeinsamen Empfehlung von elf deutschen Fachverbänden
- Entbürokratisierung des Schulwesens bzw. des schulischen Berichtswesens und damit Entlastung der Lehrkräfte und Schulleitungen. Gemeint sind beispielsweise die Entlastung bei der jährlichen Schulstatistik, einfachere Nachweisverfahren bei Förderanträgen, verringerte Vorschriften für Schulbaumaßnahmen oder bei Schulküchen durch das Veterinäramt.
Hochschulen und Forschung
Vermehrt werden große Teile der Ingenieur- und Naturwissenschaften darauf reduziert, möglichst rasch neue Technologien zur Verfügung zu stellen.
Mangelnde Zusammenarbeit über die Grenzen der Disziplinen hinweg führt dazu, dass wissenschaftliche Lösungsvorschläge für die ökologische Krise nicht greifen. Die ständige Begleitung aller Wissenschaftszweige durch eine kritische und unabhängige Ethikkommission ist notwendig. Die Forschung leidet zusätzlich an befristeten Beschäftigungsverhältnissen mit geringer Entlohnung und hohem Arbeitspensum ohne Perspektive einer Weiterbeschäftigung an den Hochschulen, in der Wissenschaft und Forschung. Viele gute wissenschaftliche Mitarbeiter wandern deshalb ins Ausland ab oder müssen notgedrungen irgendeine andere Tätigkeit ausführen, da es unter anderem nicht genügend Stellen in der mittleren Ebene (wissenschaftliche Mitarbeiterstellen, die teilweise auch unbefristete Lebenszeitstellen sind) gibt. Die ÖDP setzt hohe ethische Maßstäbe bei der Hochschul-Forschung an. Sie steht der Forschung an menschlichen Embryonen und der gentechnischen Veränderung menschlicher Keimbahnzellen ablehnend gegenüber. Die Patentierung von Genen des Menschen lehnt die ÖDP ab, da sie mit der Menschenwürde unvereinbar ist. Absolut unzulässig ist die Verschmelzung von menschlichen und tierischen Zellen zur Erschaffung neuer Lebewesen. Auch die gentechnische Manipulation und Patentierung von Tieren und Pflanzen ist inakzeptabel.
Die ÖDP setzt sich ein für:
- Strenge Kontrolle des Einflusses der industriellen Auftragsforschung, damit mit staatlichen Forschungsgeldern nur umweltschonende Technologien gefördert werden
- Verstärkte Förderung von Kultur-, Geschichtsund Geisteswissenschaften sowie der Bereiche Musik, Kunst, Theater und Film an den Hochschulen, da sie einen wichtigen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme leisten können
- Weiterhin Befreiung des Erststudiums von Studiengebühren Nur so ist gewährleistet, dass auch finanziell Schwächere ein Studium aufnehmen können. Ausgenommen von der Befreiung sind Studierende, die von außerhalb der EU zum Zweck des Studiums nach Baden-Württemberg kommen.
- Gleichrangige finanzielle Förderung der technischen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und geisteswissenschaftlichen Fächer
- Aufdecken und Hinterfragen von Lobbyismus in der Wissenschaft durch entsprechende Transparenzvorschriften Dies beinhaltet z. B. die Offenlegung der Beratertätigkeiten und Abhängigkeiten von Drittmitteln, die seitens Stiftungen, Industrieunternehmen und industrienahen privaten Instituten fließen.
- Keine zu gering bezahlte Beschäftigungsverhältnisse und keine unwürdige Beschäftigungspraktiken für wissenschaftliche Mitarbeiter
- Erhöhung der Anzahl der wissenschaftlichen Mitarbeiterstellen in der mittleren Ebene, um gute wissenschaftliche Mitarbeiter an den Hochschulen zu halten und die Qualität der Lehre und Forschung zu verbessern